Konzept

Freitag 23/ 10/ 09
BOHÈME PRÉCAIRE/ Off-Location
Klang/ Kunst/ Tanzen

It never changes to stop?

Die Zeit ist in ständiger Bewegung. Die Zeit fließt dahin. Wie ein steter Fluss mäandert sie an uns vorbei, nimmt uns mit, lässt uns auf ihr treiben. Die Zeit, so sagt Joseph Joubert, ist Bewegung im Raum.

Aber was passiert mit der Richtung der Zeit, wenn man den Raum bewegt? Die Antwort ist so banal wie einfach. Die Zeit friert ein und generiert einen Moment. Ein Foto des Hier und Jetzt. Ein Abbild des eigenen Standpunkts zwischen Raum und Zeit.

Die Lehrerin sagt: „Bitte sprecht mir jetzt alle nach: Teil-chen-be-schleu-ni-ger“.

Wir antworten: „There’s a picture on the wall and it makes me feel good.“

Es wird ein Experiment geben. Aber es wird keine physikalischen Monstergeräte brauchen, denn oft genügt ein Blatt Papier und etwas Farbe. Eine geschickte Anordnung von geometrischen Figuren, und im Inneren des Betrachters wird irgendwas verschoben. Oder verschiebt sich die Umgebung?

Nehmen wir den kurzen Moment, der ein Bild auf einen Film belichtet. Die Fotografie nimmt den Moment gefangen und erzählt seine Geschichte an einem anderen Ort, bewegt somit also den Raum. Die Zeit zieht derweil weiter und lässt den Betrachter mit seinen Gedanken zurück.

Das gleiche schafft auch die Musik. Vier Töne die Tonleiter hinauf gespielt, und eine Melodie erfüllt den Raum, lässt die Luft flimmern. Die Bewegung wird von einem Beat aufgegriffen, und das gerade Unmögliche wird selbstverständlich. Erst die Gedanken, dann der Kopf und dann reißt es einen mit. Der Körper bewegt sich und mit ihm der Raum. Man grüßt der Zeit noch einmal kurz hinterher. Bis morgen früh sieht man sie nicht wieder.

BOHÈME PRÉCAIRE ist so ein Experiment, und wir laden Euch herzlich ein, zum Puzzlestück eines neuen Versuchsaufbaus zu werden. Am 23. Oktober 2009 (Freitag) kombinieren wir die entrückenden Momente einer Ausstellung mit den treibenden Ausschweifungen einer Party. Dieses Extrakt darf als KickOff für die neue und offene Internetplattform BOHÈME PRÉCAIRE verstanden werden, die auch Namenspatin für unsere Veranstaltung ist und Dortmund auf der Reise zur Kulturhauptstadt 2010 begleiten wird. Natürlich auf ihre ganz eigene, charmante Art und Weise. Unser neuer Hybrid aus Kunst und Tanzen wird in 2009 übrigens das einzige (!) Zusammentreffen dieser Art sein. Wiederholung nicht ausgeschlossen, dann aber erst im kommenden Jahr.

Um BOHÈME PRÉCAIRE hinauf ins Labor zu bringen, haben sich gleich mehrere Kollektive zusammengefunden, die ihre Ideen von Kunst und Musik kombinieren und daraus etwas Neues, eigenständiges machen werden.

Das visuelle Programm des Abends wird von den Dortmunder Gruppen Heimatdesign, Plankton, Animalism und den Kölner Jungkuratoren vom Kunstfestival Hug me, heimlich zusammengestellt. Gezeigt wird eine bemerkenswerte Mischung aus Malerei, Fotografie, Design und Videokunst von jungen Künstlern aus dem Ruhrgebiet/ NRW. Das ist der Schwerpunkt und gleichzeitig die Idee des Ganzen: nämlich der heimischen kreativen Szene ein neues, frisches Forum zu bieten. Ausschlusskriterium ist dieser Gedanke jedoch keinesfalls! So wird es – soviel sei an dieser Stelle schon verraten – z.B. auch junge Fotokunst aus Berlin zu sehen geben. Und vieles, vieles mehr… Über das gesamte Programm der Ausstellung kann man sich in Kürze – nach und nach – auf www.bohemeprecaire.de informieren. Genauso wie über das exakte DJ-Line-up der Nacht. Womit wir auch schon beim nächsten Thema wären.

Die Klangwelten, die zur späteren Stunde geboten werden, generieren DJs aus dem Hause PopStuff/ Star*Trash und der Kölner Partyreihe Poème Électronique, verstärkt durch befreundete Gäste aus den verschiedensten Club-Kontexten. Alle Teams werden für diese Nacht ihre musikalischen Pfade verlassen und zu einer Expedition einladen. Was nicht heißen soll, dass auf der Tanzfläche ein Berg aus experimenteller Musik aufgeschüttet wird, um den kein Weg herum führt. Vielmehr soll sich das offene Konzept der Veranstaltung auch im Mix widerspiegeln. Euphorisch, ekstatisch und ganz sicher tanzbar. Der Blickwinkel erledigt den Rest. Denn das Beste haben wir uns für den Schluss aufgehoben!

In dieser Nacht wird der Raum bewegt und der Zeit ein Schnippchen geschlagen. Und damit uns dabei auch garantiert kein Straßenzug oder Gebäude in die Quere kommt, wird das Ganze kurzerhand über den Dächern dieser Stadt geschehen! In einer wunderschönen, noch geheimen Off-Location im Herzen Dortmunds, samt Dachterrasse und Ausblick auf die City.
Ein entrückter, noch unbeschriebener Ort mitten in der Stadt, aus dem wir gemeinsam mit Euch etwas machen wollen. (Wie oft ist man an ihm vorbei gelaufen, ohne es zu merken, man hätte nur einmal nach oben schauen müssen…)
Denn Vieles sieht anders aus von dort.

Wie wir das machen werden, fragt Ihr?

Well, time will tell!

BOHÈME PRÉCAIRE.
P.S.: Näheres zur Location/ Lage/ genauem Programm/ Einladungen gibt es in Kürze hier:
www.bohemeprecaire.de

[Text: Christian Neumann & Fabian Saavedra-Lara]