Close-up/ Rückblende:
Angelos Gavrias’ “High Society”.
HIGH SOCIETY
Es ist Schnittmenge aller Kulturepochen, der universale Endpunkt jedweder Begehrlichkeit, der letzte große Menschheitstraum: Das archaische Verlangen nach Unsterblichkeit, ewiger Jugend und Schönheit. In antiken Mythen gepriesen und gefeierten, wird auch heute noch in dumpfer Beharrlichkeit beständig ersehnt, was uns Sterblichen per definitionem verwehrt bleiben muss.
In seiner aktuellen Serie „High Society“ spürt Angelos Gavrias einem tief verwurzeltem Phänomen nach, dessen Beobachtung auch nach Jahrtausenden noch in der ernüchternden Erkenntnis mündet, dass ein Elixier für Jugend und die damit verbundene materielle und sexuelle Macht Illusion bleibt.
Mehr noch verkehrt die Vehemenz des verzweifelten Festhaltens den angestrebten Effekt in sein Gegenteil. Das Scheitern dokumentiert sich selbst in seinen bizarren Ergebnissen. In der Selbstdekonstruktion des Mythos der „Reichen und Schönen“ wandeln sich abstrakte Begriffe wie Macht, Reichtum und Schönheit zur tatsächlichen fratzenhaften Groteske. So werden die oberen Zehntausend zum Opfer ihrer – oftmals beneideten – monetären Möglichkeiten.
Weder vermögen die operativ geglätteten Mimikwüsten, noch aufwendige Make-Up-Kunstwerke oder kostbarer Tand das Auge des Betrachters zu täuschen – vielmehr reißen sie die Kluft zwischen Wunsch und Wahrheit zur tiefen Schlucht auf: Der faltig-schlaffe Rücken in leichter Seide entspricht ebenso wenig dem Ideal appetitlich unverbrauchter Frische und Wertigkeit, wie der schmierige Resteteller eines Kaviarbüffets.
Als Relikt des ehemals guten Geschmacks hat sich– gustatorisch und visuell – nur noch ein fad-fauliger Atem erhalten. Das Erreichen der eigenen Göttlichkeit endet in der gnadenlos gewollten Deformation des verfallenden Luxuskörpers: Es ist der Diamanten- und Haute-Couture-umfüllte Kollaps.
Die Porträts und Momentaufnahmen zeichnen eindringlich Gelebtes und Verlebtes ab und decken – allen Mühen zum Trotz – des Menschen sichtbares Scheitern an seiner Natur auf.
Als lediglich gottÄHNLICHES Wesen versagt er im Olymp der Eitelkeiten und erliegt in seinem freiwilligen Selbstbetrug der Illusion der Käuflichkeit aller Dinge.
Mehr zur Person: www.angelosgavrias.com




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